Was ist eine Stroke Unit?
Eine Stroke Unit ist eine spezialisierte Schlaganfallstation, auf der Patientinnen und Patienten mit akutem Schlaganfall rund um die Uhr nach modernen, wissenschaftlich fundierten Standards behandelt werden. Im Katholischen Klinikum Essen arbeiten hier Neurologinnen und Neurologen, Pflegekräfte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weitere Fachdisziplinen eng zusammen, um in den ersten Stunden nach einem Schlaganfall die bestmögliche Versorgung sicherzustellen.
Warum jede Minute zählt
Beim Schlaganfall gilt der Grundsatz: Zeit ist Gehirn. Jede Minute, in der ein Hirnareal nicht ausreichend durchblutet wird, gehen Nervenzellen unwiederbringlich verloren. Deshalb sind eine schnelle Diagnostik und der sofortige Behandlungsbeginn entscheidend, um Folgeschäden zu begrenzen, die Überlebenschancen zu verbessern und die Lebensqualität zu erhalten.
Auf der Stroke Unit des Katholischen Klinikums Essen stehen alle wichtigen diagnostischen und therapeutischen Schritte ohne Zeitverlust bereit – von der ersten klinischen Untersuchung über die Bildgebung bis zur frühzeitigen Rehabilitation.
Typische Schlaganfallsymptome früh erkennen
Frühes Erkennen rettet Leben. Zu den häufigsten Warnzeichen eines Schlaganfalls gehören:
- Plötzlich auftretende Lähmungen oder Taubheitsgefühle, vor allem einseitig (z. B. Arm oder Bein)
- Herabhängender Mundwinkel oder schiefer Gesichtsausdruck
- Sprachstörungen (verwaschene Sprache, Wortfindungsstörungen, Unfähigkeit zu sprechen)
- Sehstörungen (Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle, plötzliche Blindheit auf einem Auge)
- Starke, ungewohnte Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache
- Schwindel, Unsicherheit beim Gehen, Koordinationsstörungen
Treten solche Symptome plötzlich auf, ist dies ein Notfall. Betroffene sollten nicht abwarten, sondern umgehend den Rettungsdienst alarmieren, damit der schnellstmögliche Transport in ein geeignetes Schlaganfallzentrum erfolgen kann.
Diagnostik auf der Stroke Unit
Nach der Aufnahme in der Notaufnahme und der neurologischen Erstuntersuchung erfolgt auf der Stroke Unit eine zielgerichtete, zeitkritische Diagnostik. Im Vordergrund steht die schnelle Bildgebung des Gehirns, meist mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). So lässt sich erkennen, ob es sich um einen ischämischen Schlaganfall (Gefäßverschluss) oder eine Hirnblutung handelt.
Zusätzlich kommen vaskuläre Untersuchungen wie Ultraschall der Hals- und Hirngefäße, EKG, Langzeitblutdruck- und Herzrhythmusüberwachung sowie Laboranalysen zum Einsatz. Diese Untersuchungen dienen dazu, die Ursache des Schlaganfalls zu klären und das individuelle Risiko für erneute Ereignisse zu beurteilen.
Moderne Therapieverfahren im Akutstadium
Die Behandlung in der akuten Phase richtet sich nach Art, Ausmaß und Lokalisation des Schlaganfalls sowie dem Zeitfenster seit Symptombeginn. Auf der Stroke Unit des Katholischen Klinikums Essen werden alle etablierten, leitliniengerechten Therapieverfahren angeboten:
- Systemische Lysetherapie: Bei einem ischämischen Schlaganfall kann ein Gerinnselauflösendes Medikament intravenös verabreicht werden, um den Gefäßverschluss zu lösen und die Durchblutung wiederherzustellen – vorausgesetzt, das Zeitfenster und bestimmte medizinische Kriterien sind erfüllt.
- Interventionelle Thrombektomie: Bei größeren Gefäßverschlüssen kann ein neuroradiologischer Eingriff erforderlich sein. Über einen Katheter wird das Blutgerinnsel mechanisch entfernt, um die betroffene Hirnregion wieder zu versorgen.
- Blutungsmanagement: Bei einer Hirnblutung stehen die Stabilisierung des Kreislaufs, die Senkung des Blutdrucks, die Behandlung von Gerinnungsstörungen und – falls nötig – neurochirurgische Maßnahmen im Fokus.
Parallel erfolgen eine engmaschige Überwachung der Vitalfunktionen, eine frühzeitige Behandlung von Komplikationen (z. B. Schluckstörungen, Infektionen, Thrombosen) sowie die Optimierung von Blutdruck, Blutzucker und anderen Risikofaktoren.
Interdisziplinäres Team für ganzheitliche Versorgung
Die besondere Stärke einer Stroke Unit liegt im interdisziplinären Ansatz. Im Katholischen Klinikum Essen arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte der Neurologie, Kardiologie, Radiologie, Neurochirurgie und weiterer Disziplinen Hand in Hand. Speziell geschulte Pflegekräfte, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst ergänzen das Team.
Regelmäßige Fallbesprechungen stellen sicher, dass für jede Patientin und jeden Patienten ein individueller Behandlungs- und Rehabilitationsplan erstellt wird. So wird nicht nur das akute Ereignis behandelt, sondern auch die langfristige Perspektive in den Blick genommen.
Frühmobilisation und Rehabilitation
Bereits wenige Stunden nach Stabilisierung des Zustands beginnt die Frührehabilitation auf der Stroke Unit. Ziel ist es, verlorene Funktionen möglichst schnell wiederzugewinnen und Folgeschäden zu begrenzen. Dazu gehören:
- Frühmobilisation im Bett und am Bett, später im Stehen und Gehen
- Training der Arm- und Handfunktionen
- Sprach- und Sprechtherapie bei Aphasie oder Dysarthrie
- Schluckdiagnostik und -therapie zur Vermeidung von Aspirationen
- Übungen zur Verbesserung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Orientierung
Der Übergang in weiterführende Rehabilitationsmaßnahmen wird rechtzeitig vorbereitet. Der Sozialdienst unterstützt bei der Organisation von Anschlussheilbehandlungen, Hilfsmitteln und, falls nötig, bei der Anpassung der häuslichen Umgebung.
Nachsorge und Sekundärprävention
Nach dem akuten Klinikaufenthalt ist die konsequente Vorbeugung weiterer Schlaganfälle von zentraler Bedeutung. Im Katholischen Klinikum Essen gehören dazu:
- Optimale medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten
- Gerinnungshemmende Therapie, wenn Herzrhythmusstörungen oder andere Ursachen dies erfordern
- Beratung zu Lebensstiländerungen wie Rauchstopp, Bewegung, gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion
- Enge Zusammenarbeit mit Hausärztinnen, Hausärzten und niedergelassenen Neurologinnen und Neurologen
Patientinnen, Patienten und Angehörige werden über Warnzeichen, Notfallmaßnahmen und langfristige Risikofaktoren umfassend informiert. So entsteht ein Sicherheitsnetz, das die Rückkehr in den Alltag erleichtert und das Risiko für erneute Schlaganfälle reduziert.
Schlaganfallvorsorge: Was jeder selbst tun kann
Neben der spezialisierten Versorgung im Katholischen Klinikum Essen spielt die persönliche Vorsorge eine wichtige Rolle. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:
- Regelmäßige Blutdruck- und Blutzuckerkontrollen
- Früherkennung und Behandlung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
- Verzicht auf Nikotin und maßvoller Alkoholkonsum
- Ausgewogene, mediterran orientierte Ernährung
- Ausreichende körperliche Aktivität im Alltag
- Gewichtsnormalisierung und Stressreduktion
Wer seine persönlichen Risikofaktoren kennt und gemeinsam mit medizinischen Fachpersonen gezielt daran arbeitet, kann sein Schlaganfallrisiko deutlich senken.