Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall entsteht, wenn bestimmte Bereiche des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. In der Regel ist ein Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) die Ursache. Die Folge: Nervenzellen werden geschädigt oder sterben ab – und es kommt zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen.
Damit bleibende Schäden möglichst gering bleiben, zählt bei einem Schlaganfall jede Minute. Eine rasche, zielgerichtete Diagnostik in der Radiologie ist entscheidend, um die Ursache des Schlaganfalls genau zu bestimmen und die bestmögliche Therapie einzuleiten.
Typische Anzeichen eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls treten meist plötzlich auf. Häufige Warnzeichen sind:
- Plötzliche Lähmungen oder Taubheitsgefühle, häufig einseitig in Gesicht, Arm oder Bein
- Akute Sprach- oder Sprechstörungen
- Sehstörungen, zum Beispiel halbseitiger Gesichtsfeldausfall oder Doppelbilder
- Starker, ungewohnter Kopfschmerz ohne erkennbare Ursache
- Schwindel, Gangunsicherheit oder Koordinationsstörungen
Tritt eines oder mehrere dieser Symptome auf, muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Nur in einer Klinik mit spezialisierter Schlaganfallversorgung und moderner radiologischer Diagnostik kann abgeklärt werden, ob ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung vorliegt.
Warum die Bildgebung so wichtig ist
Die radiologische Bildgebung ist der Schlüssel zur sicheren Diagnosestellung beim Schlaganfall. Innerhalb kürzester Zeit muss geklärt werden:
- Liegt eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung vor?
- Welche Gefäße sind betroffen und wie ausgeprägt ist die Schädigung?
- Gibt es bereits dauerhaft geschädigtes Gewebe oder ist ein Teil des Gehirns noch zu retten (Penumbra)?
Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend dafür, ob eine medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels (Thrombolyse) oder ein mechanischer Eingriff an den Hirngefäßen (Thrombektomie) sinnvoll und möglich ist. Moderne CT- und MRT-Verfahren ermöglichen eine schnelle und präzise Beurteilung, damit die Therapie ohne Verzögerung beginnen kann.
Erste Diagnose: Computertomographie (CT) des Schädels
In der Akutphase ist die kranielle Computertomographie (cCT) meist die erste Untersuchung. Sie steht rund um die Uhr zur Verfügung und liefert in wenigen Minuten wichtige Informationen:
- Ausschluss einer Hirnblutung: Blutungen lassen sich im CT sehr gut darstellen und müssen vor einer Thrombolyse sicher ausgeschlossen werden.
- Erste Hinweise auf Durchblutungsstörungen: Frühzeichen eines Infarkts, etwa eine leichte Schwellung oder Dichteveränderungen, können bereits erkennbar sein.
- Erfassung anderer Ursachen: Zum Beispiel Tumoren, alte Infarkte oder andere strukturelle Veränderungen des Gehirns.
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Die Patientin oder der Patient liegt dabei auf einer Untersuchungsliege, die langsam durch die Öffnung des CT-Geräts fährt. Das Radiologie-Team überwacht den Ablauf kontinuierlich.
Gefäßdarstellung mit CT-Angiographie
Im Anschluss an das native cCT folgt häufig eine CT-Angiographie (CTA). Hierbei wird ein jodhaltiges Kontrastmittel über eine Armvene verabreicht, um die hirnversorgenden Gefäße noch genauer beurteilen zu können. Die CT-Angiographie zeigt:
- Verengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien
- Ablagerungen in den Gefäßwänden (Atherosklerose)
- Anatomische Besonderheiten des Gefäßsystems
Die CTA ist besonders wichtig, wenn eine mechanische Thrombektomie in Betracht gezogen wird. Sie liefert die Grundlage, um Art, Lage und Ausdehnung eines Gefäßverschlusses exakt zu bestimmen und die weitere Behandlung interdisziplinär zu planen.
Perfusionsbildgebung: Rettbares Hirngewebe erkennen
Ergänzend kann eine CT-Perfusion (PCT) durchgeführt werden. Dabei wird mithilfe des Kontrastmittels die Durchblutung in verschiedenen Gehirnarealen gemessen. So lassen sich folgende Bereiche unterscheiden:
- Infarkt-Kern: Hirngewebe, das bereits irreversibel geschädigt ist.
- Penumbra: Hirngewebe, das zwar unterversorgt, aber potenziell noch zu retten ist.
Die Perfusionsdiagnostik unterstützt die Entscheidung, ob auch in einem erweiterten Zeitfenster noch eine Thrombektomie oder Thrombolyse sinnvoll sein kann. Damit bietet sie die Chance, das neurologische Ergebnis nachhaltig zu verbessern.
MRT bei Schlaganfall: Präzise Diagnostik mit hoher Detailgenauigkeit
Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird insbesondere eingesetzt, wenn der genaue Infarktzeitpunkt unklar ist oder spezielle Fragestellungen vorliegen. Bestimmte Sequenzen, wie die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI), machen frische Infarkte besonders früh sichtbar. Typische Vorteile der MRT sind:
- Sehr hohe Weichteilauflösung und genaue Abgrenzung von Infarkten
- Gute Beurteilbarkeit kleiner, tiefer gelegener Infarkte
- Unterscheidung zwischen alten und frischen Läsionen
Ergänzend kann auch eine MR-Angiographie zur Gefäßdarstellung sowie eine MR-Perfusion zur Beurteilung der Durchblutungssituation durchgeführt werden. Je nach klinischer Situation wird individuell entschieden, ob zunächst eine CT- oder MRT-basierte Diagnostik im Vordergrund steht.
Interventionelle Radiologie: Behandlung direkt im Gefäß
Wenn im Rahmen der CT- oder MRT-Diagnostik ein größerer Gefäßverschluss festgestellt wird, kann eine mechanische Thrombektomie in Betracht kommen. Dieses Verfahren wird in der interventionellen Radiologie durchgeführt. Dabei:
- Wird ein Katheter über eine Leistenarterie bis ins Hirngefäß vorgeschoben.
- Erfolgt die Darstellung der Gefäße mittels Angiographie in Echtzeit.
- Wird das Blutgerinnsel mit speziellen Instrumenten entfernt oder abgesaugt.
Die erfolgreiche Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes kann die Durchblutung des betroffenen Hirnareals wiederherstellen und damit das Ausmaß der bleibenden Schäden deutlich reduzieren. Die enge Zusammenarbeit zwischen Neurologie, Notaufnahme, Anästhesie und Radiologie ist dabei unerlässlich.
Spezialisierte Schlaganfall-Diagnostik in der Radiologischen Klinik II
In der Radiologischen Klinik II kommt ein umfassendes Spektrum modernster Bildgebungsverfahren zum Einsatz, um Schlaganfälle schnell und sicher zu diagnostizieren. Dazu gehören:
- 24/7-verfügbare Computertomographie mit Notfallprotokollen
- CT-Angiographie und CT-Perfusion zur Gefäß- und Durchblutungsdiagnostik
- Hochmoderne MRT mit speziellen Schlaganfall-Protokollen
- Digitale Subtraktionsangiographie (DSA) für interventionelle Eingriffe
Standardisierte Abläufe und eingespielte Behandlungsteams sorgen dafür, dass zwischen dem Eintreffen der Patientinnen und Patienten und der entscheidenden Bildgebung möglichst wenig Zeit vergeht. So wird das therapeutische Zeitfenster optimal genutzt.
Von der Bildgebung zur Therapieentscheidung
Die radiologischen Befunde werden unmittelbar nach der Untersuchung ausgewertet und mit den behandelnden Neurologinnen und Neurologen besprochen. Auf dieser Basis wird entschieden, welche Behandlung infrage kommt:
- Intravenöse Thrombolyse zur Auflösung eines Blutgerinnsels
- Mechanische Thrombektomie bei Verschluss größerer Hirnarterien
- Konservative, medikamentöse Therapie und engmaschige Überwachung
- Weiterführende Diagnostik zur Abklärung der Schlaganfallursache, etwa Herzrhythmusstörungen oder Gefäßveränderungen
Auch für die mittelfristige Verlaufskontrolle, zum Beispiel zur Einschätzung der Infarktgröße oder möglicher Komplikationen, kommen CT und MRT zum Einsatz.
Nach dem Schlaganfall: Verlaufskontrolle und Sekundärprävention
Nach der Akutbehandlung dient die radiologische Bildgebung der Beurteilung des weiteren Verlaufs. Kontrolluntersuchungen helfen dabei:
- Die endgültige Größe des Infarkts zu bestimmen
- Blutungen oder Schwellungen im Gehirn rechtzeitig zu erkennen
- Gefäßverengungen oder neue Gefäßverschlüsse aufzuspüren
Diese Informationen sind wichtig, um das Risiko für erneute Schlaganfälle zu verringern und eine gezielte Sekundärprävention einzuleiten – etwa durch medikamentöse Blutverdünnung, Behandlung von Bluthochdruck oder Anpassung des Lebensstils.
Prävention und Risikofaktoren im Blick behalten
Neben der Akutdiagnostik spielt die Aufklärung über Risikofaktoren eine bedeutende Rolle. Zu den häufigsten Auslösern eines Schlaganfalls gehören:
- Bluthochdruck
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Erhöhte Blutfettwerte
- Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
- Übergewicht und Bewegungsmangel
Durch eine konsequente Behandlung dieser Risikofaktoren lässt sich das Schlaganfallrisiko deutlich senken. Die radiologische Diagnostik liefert hierfür wichtige Hinweise, etwa durch die Darstellung von Gefäßverengungen oder bereits bestehenden stillen Infarkten.