Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall entsteht, wenn Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Ursache ist meist ein verschlossenes Blutgefäß (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall. Ohne rasche medizinische Hilfe drohen bleibende Schäden an Nervenzellen und damit Einschränkungen von Sprache, Bewegung, Sehen oder Bewusstsein.
Warum die Zeit bei einem Schlaganfall entscheidend ist
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Je schneller die Diagnose steht, desto eher kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden – etwa die Auflösung eines Blutgerinnsels oder ein gefäßchirurgischer Eingriff. Modernste bildgebende Verfahren in der Radiologischen Klinik II unterstützen dabei, Ursache, Ausmaß und genaue Lokalisation des Schlaganfalls festzustellen und die individuell beste Behandlung zu planen.
Typische Symptome eines Schlaganfalls
Die Beschwerden treten meist plötzlich auf und sollten immer als Notfall verstanden werden. Zu den typischen Warnsignalen gehören:
- plötzliche Lähmungen oder Schwäche einer Körperseite
- hängender Mundwinkel oder verwaschene Sprache
- Sehstörungen, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle
- Störungen des Gleichgewichts, plötzliche Gangunsicherheit
- starke, ungewohnte Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache
Treten solche Symptome auf, ist es wichtig, sofort den Rettungsdienst zu alarmieren und nicht auf eine Besserung zu warten. Nur so kann im Krankenhaus frühzeitig die notwendige Diagnostik eingeleitet werden.
Rolle der Radiologischen Klinik II in der Schlaganfalldiagnostik
Die Radiologische Klinik II ist ein zentraler Partner in der Schlaganfallversorgung. Sie stellt mithilfe moderner Bildgebung sicher, dass die Ursache der Durchblutungsstörung schnell erkannt wird. So kann unterschieden werden, ob ein Gefäßverschluss, eine Hirnblutung oder eine andere Erkrankung vorliegt. Die radiologische Diagnostik bildet damit die Grundlage für alle weiteren therapeutischen Entscheidungen im interdisziplinären Team aus Neurologie, Neuroradiologie, Intensiv- und Gefäßmedizin.
Computertomographie (CT) – die schnelle Erstdiagnostik
In der Akutsituation ist die Computertomographie meist die erste Untersuchung. Sie ist schnell, breit verfügbar und liefert innerhalb weniger Minuten aussagekräftige Bilder des Gehirns.
Native CT des Schädels
Die native (also ohne Kontrastmittel durchgeführte) CT-Untersuchung zeigt, ob eine frische Blutung im Gehirn vorliegt. Dies ist besonders wichtig, um entscheiden zu können, ob eine medikamentöse Auflösung eines Gerinnsels (Lysetherapie) überhaupt infrage kommt. Darüber hinaus geben die Bilder erste Hinweise auf frühe Veränderungen im Hirngewebe, die auf einen ischämischen Schlaganfall schließen lassen.
CT-Angiographie
Ergänzend kann eine CT-Angiographie durchgeführt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel über eine Armvene verabreicht, um die hirnversorgenden Gefäße im Kopf- und Halsbereich sichtbar zu machen. So lassen sich:
- Gefäßverschlüsse lokalisieren
- Einengungen (Stenosen) von Schlagadern nachweisen
- Gefäßanomalien, wie Aneurysmen oder Gefäßmissbildungen, erkennen
Diese Informationen sind entscheidend, wenn eine mechanische Thrombektomie – also das Entfernen eines Gefäßverschlusses mit Kathetertechniken – geplant wird.
CT-Perfusion
Mit der CT-Perfusion kann die Durchblutung des Gehirns noch genauer beurteilt werden. Spezielle Messungen zeigen, welche Hirnareale bereits unwiederbringlich geschädigt sind und welche Bereiche noch gerettet werden können (die sogenannte Penumbra). Dies unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, auch in späteren Zeitfenstern gezielt über eine Revaskularisationstherapie zu entscheiden.
Magnetresonanztomographie (MRT) – detaillierte Einblicke ins Gehirn
Die Magnetresonanztomographie ist ein weiteres zentrales Verfahren in der Schlaganfalldiagnostik. Sie arbeitet ohne Röntgenstrahlung und bietet einen besonders hohen Weichteilkontrast. Dadurch können auch sehr kleine oder in ihrer Lage komplizierte Infarkte zuverlässig dargestellt werden.
Diffusionsgewichtete MRT
Mit diffusionsgewichteten Sequenzen lässt sich frischer Hirninfarkt bereits wenige Minuten nach Beginn der Durchblutungsstörung nachweisen. Diese Technik macht Veränderungen in der Bewegung von Wassermolekülen im Gewebe sichtbar, die früh auf eine Schädigung von Nervenzellen hinweisen. So kann auch bei unklaren Symptomen schnell geklärt werden, ob tatsächlich ein Schlaganfall vorliegt.
MRT-Angiographie
Die Gefäßdarstellung im MRT, häufig auch ohne Kontrastmittel möglich, zeigt die hirnversorgenden Arterien und Venen. Auf diese Weise können:
- Gefäßverschlüsse und -verengungen dargestellt
- Ursachen wie Gefäßentzündungen oder Dissektionen (Einrisse der Gefäßwand) erkannt
- langfristige Gefäßveränderungen im Verlauf kontrolliert
Die MRT-Angiographie ergänzt damit die CT-Untersuchungen und bietet einen strahlungsfreien Zugang zu wichtigen diagnostischen Informationen.
MRT-Perfusion und weitere Spezialsequenzen
Ähnlich wie in der CT kann auch im MRT die Durchblutung bestimmter Gehirnareale beurteilt werden. Die MRT-Perfusion und zusätzliche Spezialsequenzen, etwa zur Darstellung von Blutabbauprodukten oder kleinsten Blutungen (Mikroblutungen), helfen bei der Differenzierung verschiedener Schlaganfallformen und bei der Beurteilung des Blutungsrisikos unter bestimmten Therapien.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit für die bestmögliche Versorgung
Die Schlaganfallversorgung beruht auf enger Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Die Radiologische Klinik II arbeitet dabei eng mit der Neurologie, der Neuroradiologie, der Intensivmedizin und weiteren Bereichen zusammen. Radiologische Befunde werden unmittelbar ausgewertet und mit den klinischen Symptomen abgeglichen. Dies ermöglicht, Therapieentscheidungen in Echtzeit zu treffen – beispielsweise zur Durchführung einer Lysetherapie oder einer Thrombektomie.
Diagnostik über die Akutphase hinaus
Nach der akuten Behandlung bleibt die Bildgebung wichtig. Verlaufskontrollen ermöglichen es, das Ausmaß des Infarktes besser einzuschätzen, mögliche Komplikationen wie Schwellungen oder erneute Durchblutungsstörungen früh zu erkennen und den Erfolg der Therapie zu bewerten. Darüber hinaus helfen Bildgebungsbefunde, Risikofaktoren und Ursachen des Schlaganfalls – etwa Gefäßverengungen oder Herz- und Gefäßanomalien – langfristig zu beurteilen und gezielte vorbeugende Maßnahmen zu planen.
Vorbeugung: Risikofaktoren erkennen und handeln
Damit ein Schlaganfall möglichst gar nicht erst auftritt, spielt Prävention eine entscheidende Rolle. Wichtige Bausteine sind:
- Bluthochdruck konsequent behandeln
- Rauchen vermeiden
- Diabetes und Fettstoffwechselstörungen gut einstellen
- regelmäßige körperliche Aktivität und ausgewogene Ernährung
- Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen rechtzeitig erkennen und therapieren
In ausgewählten Fällen können bildgebende Untersuchungen – etwa zur Beurteilung der Halsschlagadern – helfen, individuelle Risiken besser einzuschätzen und frühzeitig zu handeln.